Geschichte der Pfarrkirche St. Ägidius
Die Stadtpfarrkirche St. Ägidius ist das spirituelle Zentrum Dietfurts. Sie geht auf das 12. Jahrhundert zurück und wurde 1732–1734 im Barockstil prachtvoll neu gestaltet.


Die Stadtpfarrkirche St. Ägidius ist das spirituelle Zentrum der Pfarrei und der Stadt Dietfurt. Ihr Patronatsfest ist der 1. September.
Geschichte
Die erste urkundliche Erwähnung der Kirche datiert aus dem Jahr 1144. Über Jahrhunderte gehörte Dietfurt zur einige Kilometer entfernten Urpfarrei Kottingwörth und wurde von dort seelsorgerisch betreut.
Erst 1371 erhielt Dietfurt einen Frühmesstbenefziaten, der jedoch nur an Werktagen Gottesdienst halten durfte – pfarrlich blieb der Ort bei Kottingwörth. Unter dem Eindruck der Reformation gründete Bischof Moritz von Hutten im Jahr 1540 die Stadtpfarrei Dietfurt. Einen gewissen Einfluss übte dabei sicher auch Argula von Grumbach aus, die Gattin des damaligen Pflegers von Dietfurt: Sie begann 1523, den Dietfurtern die Bibel im Sinne Luthers auszulegen und trat mit dem Reformator in Briefwechsel. Von Anfang an hatte der Stadtrat das Präsentationsrecht, d. h. er durfte dem Bischof den neuen Stadtpfarrer vorschlagen.
Um 1408 wurde das Gotteshaus im gotischen Stil neu errichtet – wesentliche Teile des gotischen Baus, darunter der mächtige Kirchturm (Höhe ca. 60 m), blieben erhalten.
Von 1732 bis 1734 gestaltete der Eichstätter Hofarchitekt Gabriel de Gabrieli die Kirche grundlegend im Barockstil um und neu. Die Konsekration durch den Eichstätter Weihbischof Nieberlein erfolgte 1736. Das Ergebnis ist eines der bedeutendsten Barockgotteshäuser der Region.
Chronik (20./21. Jahrhundert)
- 1923: Der damalige Stadtpfarrer ließ die hölzernen Innenstiegen zu den Emporen durch eine Außentreppe ersetzen
- 1964: Neue Chor-Fresken (Mysterium der Dreifaltigkeit)
- 1974: Neue Orgel (Klais, Bonn, 22 Register)
- 1975: Mit dem Neubau des Pfarrzentrums erlosch das Präsentationsrecht des Stadtrates; das Dekanat Dietfurt wurde aufgelöst – die Pfarrei kam zum Dekanat Berching
- 1989/1990: Neues Bronzegeläut (4 neue Glocken) im Jubiläumsjahr „450 Jahre Pfarrei Dietfurt”
- 1998: Letzte große Innenrenovierung der Stadtpfarrkirche
- 2011: Im Zuge der Dekanatsreform kam Dietfurt zum Dekanat Neumarkt
- 2016: Die Pfarreien Eutenhofen und Töging wurden an Dietfurt angegliedert; seither bilden Dietfurt, Eutenhofen, Hainsberg, Staadorf und Töging eine Seelsorgeeinheit
Hochaltar und Kunstwerke
Der Hochaltar wurde 1737 vom Eichstätter Altarbauer Johann Jakob Bochler geschaffen. Besonders bemerkenswert sind die beiden Anbetungsengel, die dem berühmten bayerischen Barockbildhauer Ignaz Günther (gebürtig aus dem nahen Altmannstein) zugeschrieben werden.
Das große Hochaltarbild (entstanden um 1670, Künstler unbekannt, möglicherweise ein Eichstätter Hofmaler) zeigt den heiligen Ägidius in seiner Einsiedelei in der Camargue, wie er in der Heiligen Schrift meditiert – begleitet von der Hirschkuh, die ihn der Legende nach ernährte.
Deckengemälde
Die Deckengemälde stellen Szenen aus dem Leben des Kirchenpatrons dar:
- Hinteres Bild: Der hl. Ägidius schützt Stadt und Land; der Bürgermeister bringt Gott die Herzen der Dietfurter dar
- Großes vorderes Fresko: Christus als Heiler; kleinere Bilder zeigen Szenen aus Ägidius’ Leben
- Chor-Fresken (1964): Das Mysterium der Dreifaltigkeit in emblematischer Darstellung
Seitenkapelle und Nebenaltäre
Die Seitenkapelle birgt den bedeutenden Sebastiansaltar mit einem Gemälde, das die Pest in Dietfurt zeigt – thematisch verbunden mit der 1438 gegründeten Sebastiansbruderschaft.
Am Herz-Jesu-Altar befindet sich ein Gemälde des Eichstätter Hofmalers Michael Franz (der auch die Fresken in Schloss Hirschberg schuf).
Orgel
Die heutige Orgel wurde 1974 von der renommierten Bonner Orgelbaufirma Klais erbaut und verfügt über 22 Register.
Glocken
Das Geläut umfasst 7 Bronzeglocken mit einem Gesamtgewicht von rund 9.000 kg. Darunter befinden sich drei historische Glocken aus dem 17. und 18. Jahrhundert sowie vier 1989 neu gegossene Glocken.